Erben und Vererben – Warum benötige ich ein Testament?

Nachfolgende Fragen stellen sich bestimmt viele:

  • Benötige ich ein Testament?
  • Wie kann ich ein solches Testament erstellen?
  • Brauche ich hierfür einen Anwalt oder einen Notar? Was ist mit dem Pflichtteil?
  • Welche Rolle spielen Schenkungen – und was wird aus meinem Grundstück?

Erfahrungsgemäß Menschen im Alter von 40 bis 60 Jahren stellen sich – sobald ihre Kinder erwachsen geworden sind – die Frage, ob es nicht Zeit wäre, ein Testament zu erstellen.
Gerne werden solche Fragen und die hiermit einhergehenden Diskussionen innerhalb der Familie vor sich hergeschoben. Warum eigentlich? Sicherlich hat die Frage eines Testamentes, der Erbfolge, d.h. des Erbens und Vererbens etwas mit dem Tod eines Menschen zu tun. Viele sprechen hierüber nicht gerne, sei es aus Pietät oder weil solche Gespräche häufig mit einem gewissen Unwohlsein verbunden sind. Diese Scheu vor solchen Gesprächen sollte man jedoch ablegen, es gibt hierfür keine objektiven Gründe. Schließlich weiß jeder, dass er seine Mitmenschen irgendwann verlassen muss. Auch für diesen Fall gilt es Vorsorge zu treffen – idealerweise mit einem Testament, das den eigenen letzten Willen zum Ausdruck bringt und mit dessen Hilfe die Verhältnisse nach Möglichkeit so geregelt werden, wie sich diese der Betreffende im Hinblick auf sein späteres Ableben auch wünscht.

Ein Testament macht Sinn, um die gesetzliche Erbfolge auszuschließen, indem z. B. nur eines der drei Kinder als Alleinerbe eingesetzt wird – jedoch mit der Folge, dass die beiden anderen Kinder Anspruch auf einen Pflichtteil in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils besitzen. Generell verleiht das Testament dem späteren Erblasser die Möglichkeit, seine Vorstellungen nach dem Tod konkret zu bestimmen. Allerdings ist Vorsicht geboten: Das Gesetz sieht vor, dass beim Ausschluss eines Erben, z. B. eines Abkömmlings (Sohn oder Tochter) dieses Kind des Erblassers gleichwohl Anspruch auf seinen Pflichtteil besitzt, den es dann innerhalb von drei Jahren nach dem Erbfall gegen den Erben durchsetzen kann. Der Erbe ist dann verpflichtet, diesen Pflichtteil, der einen reinen Geldanspruch darstellt, durch entsprechende Zahlung zu erfüllen, was dem Erben u.U. durchaus schwer fallen kann. Deswegen ist es in solchen Fällen angeraten, sich bei Erstellen eines solchen Testamentes professioneller Hilfe zu bedienen, z.B. durch einen Rechtsanwalt oder Notar, die dann auf die Gestaltungsmöglichkeiten und hiermit verbundenen Rechtsfolgen eines solchen Testamentes ausdrücklich hinweisen können.

Natürlich kann jede Person selbst ein wirksames Testament erstellen, sofern sie bereits das 16. Lebensjahr erreicht hat. Wer sich dies nicht zutraut, kann ein solches Testament auch zur Niederschrift bei einem Notar erstellen lassen. Ein eigenhändiges Testament ist wirksam, wenn es vom Erblasser eigenhändig, d.h. handschriftlich geschrieben und unterschrieben ist. Die Unterschrift soll aus Vor- und Nachname bestehen, um den Erblasser hierdurch zweifelsfrei identifizieren zu können. Das Testament darf auf keinen Fall per Maschine oder durch Computer geschrieben sein! Der gesamte Text muss handschriftlich erstellt sein! Im Zuge der Unterschrift sollte es auch mit Ort und Datum versehen werden. Zeugen sind hingegen nicht erforderlich.

Ein Testament sollte sicher verwahrt werden – jedoch auch wiederauffindbar sein, z. B. zu Hause, in besonderer amtlicher Verwahrung (bei Notar oder Amtsgericht) oder bei einem Rechtsanwalt (zumindest ein Zweitexemplar). Ein sogenanntes öffentliches Testament wird durch Beurkundung des letzten Willens des Erblassers vor dem Notar erstellt. Zwingend erforderlich ist dies nicht, es sei denn, dass der Testierende noch minderjährig, d.h. zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr oder leseunkundig ist.

Der Notar fertigt nach einem ausführlichen Gespräch die Niederschrift an, verliest diese und lässt sie vom Testierenden unterzeichnen.

Vor Erstellung eines Testamentes, z. B. auch eines gemeinschaftlichen Testamentes, indem sich die Ehepaare zunächst gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und die Kinder erst nach Versterben des Überlebenden erben sollen, bietet es sich an, mit den Beteiligten ein offenes Gespräch hierzu zu führen, um auf diese Weise drohende Konfliktsituationen bereits im Vorfeld zu vermeiden bzw. auszuschließen.

Bei Existenz mehrerer Kinder sollte bedacht werden, dass der Ausschluss eines oder mehrerer Kinder von Erfolge unweigerlich dazu führt, dass diesen Kindern Pflichtteilsansprüche bzw. Pflichtteilergänzungsansprüche – z. B. bei lebzeitigen Schenkungen von Grundstücken an nur ein Kind – zustehen, die dann der Erbe zu erfüllen hat. Solche Fälle sind häufig konfliktreich und führen zu Rechtsstreiten, unter denen u. U. die gesamte Familie leidet. In solchen Fällen bietet sich auch der Abschluss eines Erbvertrages an, der die spätere Erbfolge regelt und bereits konkrete Aussagen zur Verteilung des Nachlasses auf die Erben trifft, sodass hierdurch späteren Streitigkeiten regelmäßig der Boden entzogen ist. Auch ein solcher Vertrag bedarf jedoch zuvor ausführlicher Beratung.

Letztlich liegt es im Wesentlichen in der Hand des Erblassers durch die Erstellung eines sachgemäßen Testamentes oder sonstigen letztwilligen Verfügungen zu vermeiden, dass die späteren Erben über den Nachlass in Streit geraten. Die Inanspruchnahme professioneller Hilfe ist hierfür mit Sicherheit zweckdienlich.